
Dass Fußball mit viel Leidenschaft verbunden ist und Menschen eine große Bandbreite an Anknüpfungspunkten zu Identifikationen und Zugehörigkeiten bereit hält, ist Teil gelebter und dynamischer Fankultur.
Das Jüdischen Museum Rendsburg hat zu dem Thema unter dem Titel „Superjuden – Jüdische Identität im Fußballstadion“ eine interessante wie spannende Ausstellung zusammengestellt. Sie beleuchtet mit einer großen Zahl an Materialien die Rolle, die jüdische Funktionäre, jüdische Spieler und Fans in unterschiedlichen Fußballvereinen, in verschieden Ländern und zu verschiedenen Zeiten gespielt haben und es noch tun. Die Ausstellung versucht damit Antworten auf die Frage zu geben: Was macht einen Klub zu einem jüdischen Klub? Antwort: Es geht um Geschichte, Abgrenzung und Identitätsbildung durch Aneignung.
Clubs wie beispielsweise Ajax Amsterdam, First Vienna Football-Club, Tottenham Hotspur oder der FC Bayern werden in der Ausstellung etwas genauer betrachtet, denn jeder dieser Clubs erfuhr in seiner Geschichte eine besondere jüdische Prägung, die bis heute spürbar ist – vor allem in der Fankultur. So wurde Ajax Amsterdam und der aus London stammende Club Tottenham Hotspur in Vierteln mit überdurchschnittlich hohen Anteilen an jüdischer Bevölkerung gegründet, was sich nicht nur in der Struktur ihrer Anhängerschaft widerspiegelte, sondern seine Anhänger auch mit antisemitischen Schmährufen wie „Yids“ oder „Joden“ konfrontiert.
Diese Begrifflichkeiten spielten damit auch in politischen Konflikten eine Rolle und der von einer Ajax-Amsterdam-Fangruppierung für sich generierte Name „Superjoden“ wurde Titel der Ausstellung.
Beim First Vienna FC kam der jüdische Einfluss hingegen aus einer anderen Richtung. Hier war es die finanziellen Förderung, die ihm aus der großen und bedeutenden jüdische Gemeinde Wiens zuteil wurde und die entscheidende Bedeutung für den Aufstieg des Clubs hatte. Hier ist vor allem als großer Mäzen Nathaniel Rothschild zu nennen, was heutige Anhänger der Vienna unter anderem veranlasste, eine Gruppe mit dem Namen Partizan*Rothschild zu gründen.

Der FC Bayern nimmt in der Reihe der genannten Clubs eine besondere Rolle ein. So wurde das Gedenken an den jüdischen Präsidenten Kurt Landauer, der mit drei Amtszeiten, wohlgemerkt vor und nach dem 2. Weltkrieg, auf 19 Jahre und damit insgesamt auf die längste Präsidentschaft beim FC Bayern kam, vom Verein lange Zeit – wenn nicht geleugnet, so doch zumindest verschwiegen.
Erst an seinem 125. Geburtstag wurde Kurt Landauer 2009 durch eine große Choreographie der Ultra-Gruppe Schickeria gewürdigt und der Verein begann sich mit dem Erbe Kurt Landauers zu beschäftigen. Ein Engagement, für das die Ultra-Gruppe vom DFB mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet wurde, benannt nach dem deutsch-jüdischen Fußballnationalspieler Julius Hirsch, der in der NS-Zeit verfolgt und im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.
Was diese Ausstellung jedoch nochmal besonders macht, ist die Thematisierung jüdischer Inhalte bei Fußballclubs aus dem Norden. Dafür wurden Vereine wie Holstein Kiel, Werder Bremen, HSV und St Pauli gebeten, Ausstellungsstücke und Inhalte aus der Vergangenheit und Gegenwart beizusteuern. Dass diese Vereine dieser Bitte ausgiebig nachgekommen sind, beschert der Ausstellung eine Fülle an Materialien, die dokumentieren wie mit der jüdischen Vergangenheit in de Vereinen umgegangen wird. Es geht dabei um den jüdischen Fußballer des Hamburger SV Walter Wächter in den 1920ern, bis hin zu dem Gedenken an den israelischen Werder Bremer Fan Hershey, der am 7. Oktober 2023 von der Hamas entführt und in dieser Geiselhaft verstarb.
Die Ausstellung nimmt bei den genannten Fußball-Clubs die Suche nach Spuren jüdischer Kultur und Prägung auf. Damit hält sie die Erinnerung an die systematische Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer Religion und Herkunft als dunkles Kapitel der Geschichte wach.
Das ist dann auch die ganz große Stärke der Ausstellung – Vergangenheit und Gegenwart zu verknüpfen, um Verantwortung für das Hier und Jetzt zu übernehmen.
Die Ausstellung geht noch bis zum 12.04.2026 und ist euch wärmstens empfohlen.
(jüdisches museum rendsburg)
