
Eine alte Fußballweisheit besagt: Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften. Am 25. Spieltag kam es zum Spitzenspiel zwischen dem VfL und Rot Weiss Essen an der Bremer Brücke, welches die Gastgeber verdient mit 3:0 für sich entscheiden konnten. Dabei empfing die stärkste Defensive der Liga die drittstärkste Offensivabteilung. Rot Weiss Essen besitzt, trotz des Abgangs des auch in Osnabrück berüchtigten Ahmet Arslan nach Down Under vor wenigen Wochen, einen bemerkenswert breiten Kader und holte in den vergangenen 12 Kalendermonaten 83 Punkte in der dritten Liga, drei Zähler mehr als der VfL. Die Mannschaft von der Hafenstraße schickt sich ebenso wie Lila-Weiß an, alsbald wie nur möglich an die Tür zur 2. Bundesliga anzuklopfen. Allerdings kassierte die Mannschaft aus dem Herzen des Ruhrgebiets bereits 14 Tore mehr als das Team von Trainer Timo Schultz. Und nach 90 Minuten plus Nachspielzeit trübten noch 3 weitere Gegentreffer die Bilanz der Gäste. Der VfL spielte vor allem im zweiten Durchgang steil und schnell und so fiel es uns schwer, einen Löwenpudel of the Match auszuwählen, verdient hatten es heute zahlreiche Akteure in Lila-Weiß: Seien es ein ackernder Robin Fabinski, die geschickten Ballverteiler Robin Meißner oder Lars Kehl, ein schneller Isi Badjie, ein endlich zündender Kai Pröger oder ein wie eh und je abräumender Bjarke Jacobsen gewesen – der VfL zeigte eine Topmannschaftsleistung. So verwunderte auch nicht das Statement von Timo Schultz auf der Pressekonferenz, in dem er entgegen seiner Art zwei Spieler hervorhob, die heute zu den Matchwinnern wurden und von uns den Titel „Löwenpudel of the Match“ erhalten: Jannik Müller und Lukas Jonsson.
Jannik Müller kam vor einem Jahr zum VfL und erwies sich als Königstransfer der Winterpause 2024/25. Ein halbes Jahr Vereinslosigkeit hatte dem zuvor bei Darmstadt 98 agierenden Abwehrchef nichts anhaben können, Jannik sorgte direkt für Ordnung in der Osnabrücker Abwehr und war so ein entscheidender Faktor für den Klassenerhalt im Sommer. Inzwischen zum Kapitän aufgestiegen, gehört er für den an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrten Essener Trainer Uwe Koschinat aufgrund seiner Qualität eigentlich gar nicht in die dritte Liga. Für Timo Schultz ist Müller ein Spieler, der nicht im Vordergrund steht, weil er selten durch Tore Spiele entscheidet, sondern kontinuierlich arbeitet und den Laden dichthält. Heute aber half Jannik mit, auch offensiv ein Statement zu setzen und krönte seine überragende Leistung mit einem tollen Schuss aus der Drehung zum vielumjubelten 2:0.
Lukas Jonsson blieb heute zum sage und schreibe dreizehnten Mal in dieser Saison ohne Gegentor! Kein anderer Keeper in den ersten drei Profiligen kann diese Bilanz einer weißen Weste aufweisen. Lukas hält manchmal recht unkonventionell, faustet viele Bälle weg und erinnert ab und an an einen Handballtorwart – heute zeigte er aber gleich mehrfach seine Reflexe auf der Linie und machte jede Chance der Gäste zunichte. Timo Schultz ordnete Jonssons Topleistung umso mehr fachkundig ein, da sich in Jonssons Fünfer insbesondere bei den gefürchteten Essener Standards zum Teil mehr als 10 Spieler befanden. Für einen Torhüter ist dies alles andere als dankbar, doch Lukas behielt die Übersicht, zeigte jedes Mal, wer der Chef in diesen Situationen war und schmiss sich in jeden Ball. Nur allzu verständlich, dass das Osnabrücker Publikum den nach dem Abpfiff über beide Ohren lächelnden Schlussmann mit Standing Ovations feierte. Apropos Publikum: Dieses verdiente sich heute ein Sonderlob, in dem es Essens Trainer Koschinat mit Sprechchören feierte und ein feines Gespür für den im Pott nicht mehr unumstrittenen Coach bewies. Chapeau!
Ein Fußballnachmittag für die Osnabrücker Fußballseele war es sowieso allemal, doch Jannik Müller und Lukas Jonsson ragten aus einem Topteam heraus. Wir gratulieren beiden herzlichst zum Titel „Löwenpudel of the Match“!
Come on you Lionpoodles!

(Wir danken osnapix für die Fotos)
